„Wenn ich jemanden zum Lächeln bringen kann, dann bin ich glücklich.“

Hier: Birgitt Sgonina  – portraitiert von Maja Creutzberg

Als ich in Altona aus dem Bus aussteige, weht ein eisiger Wind. In wenigen Minuten bin ich hier mit Birgitt Sgonina (65) zum Interview verabredet. Lange muss ich zum Glück nicht warten. Kaum dass ich angekommen bin, kommt energischen Schrittes eine Frau auf mich zu – das muss Birgitt sein. Mit einer herzlichen Umarmung und einem freundlichen Lächeln begrüßt sie mich. Wir beschließen, es uns in einem kleinen Café gemütlich zu machen.

Kurz darauf sitzen wir uns an einem kleinen Tisch gegenüber. Ich muss Birgitt gar nicht groß anleiten, um Stoff für dieses Interview zu bekommen. Ganz von allein sprudelt eine Menge aus ihr heraus. Ich lasse sie erzählen und höre aufmerksam zu, als sie von ihrem Ehrenamt berichtet. Es braucht nicht viel um zu merken, welch eine Leidenschaft hinter Birgitts Engagement steckt.

Schon seit 2012 ist sie häufig in einer Wohngemeinschaft für Senioren, die unter leichten bis starken und auch unterschiedlichen Demenzen leiden.

„Wenn ich jemanden zum Lächeln bringen kann, dann bin ich glücklich.“

Birgitts Engagement hat einen persönlichen Hintergrund. Zur Gründung der WG kam es, als sie selbst auf der Suche nach einer geeigneten Unterbringung für ihre Mutter war. In vielen Heimen gibt es einfach keine optimale Betreuung. Es mangelt an Personal, das sich intensiv mit den Bewohnern beschäftigt. Anstatt Kompromisse einzugehen und Abstriche zu machen, hat Birgitt sich kurzerhand mit anderen Leuten zusammengetan, die eine Pflegestelle für ihre Eltern suchten. So entstand nach und nach die WG, die über zehn gemütliche Zimmer mit Bad verfügt.

Seit dem Tod ihrer Mutter 2015 ist Birgitt in der WG geblieben und versucht – neben ihrer Teilzeitstelle – so viel Zeit wie möglich mit den Bewohnern zu verbringen. Etwas vorlesen, mitkommen, wenn es zum Friseur geht, Spaziergänge machen, Karten spielen – aber vor allem einfach da sein. Natürlich ist das nicht immer leicht. Für andere da zu sein, verlangt einem eben auch etwas ab. Da braucht es eine gute Selbsteinschätzung. An Tagen, an denen Birgitt zu viel um die Ohren hat, kommt sie bewusst lieber gar nicht. Dann kann sie nicht genug geben. Wenn sie dann aber da ist – mindestens zwei Mal in der Woche, meist sogar öfter – dann verbreitet sie förmlich Sonnenschein. Sie kennt die Bewohner schon lange, ist Bezugsperson, Vertraute. Fast immer gelingt es ihr, den Bewohnern ein Lächeln zu entlocken.

„Ich versuche mein Bestes.“

Einfach ist der WG-Alltag nicht immer. Vieles ist unvorhersehbar und die Stimmung schwankt auch schon mal. Doch positives Feedback von Bewohnern wie auch Angehörigen stärkt und motiviert. Gekonnt lockt Birgitt aus der Reserve, ermuntert und bringt sprichwörtlich Leben in die Bude. Das sehe ich, als sie mich spontan einlädt, mir die WG doch einfach selbst anzusehen.

Die helle, geräumige Wohnung ist gleich um die Ecke. Zögernd trete ich hinter Birgitt ein. Was ich aus Seniorenheimen kenne, ist eher deprimierend als schön. Umso überraschter bin ich, als ich mitten in einem offenen Küchen- und Essbereich stehe. Das Abendbrot ist in vollem Gange, zwei Pflegekräfte sitzen mit fünf Senioren am Tisch. Auf den ersten Blick hätte ich nicht gedacht, hier in einer Pflegeeinrichtung zu sein. Die Angehörigen – zu denen Birgitt selbst die ersten Jahre zählte – haben es geschafft, eine kleine Oase zu erschaffen. Möbel, aus den Wohnungen der Senioren, geben der WG Charakter. Alles ist praktisch, aber doch gemütlich. Warmes Licht, eine Ecke für Gesellschaftsspiele – alle Zimmer top ausgestattet, ohne nur die Spur unpersönlich zu wirken. Ich merke, dass man sich hier zuhause fühlen kann.

„Nichts ausrichten zu können ist hart.“

Birgitt gibt es einfach unglaublich viel, zu sehen, wie viele Bewohner aufblühen. Sie freut sich, etwas zu deren Wohlbefinden beitragen zu können. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwierig es gerade für die Angehörigen ist. Hier können sie ihre Eltern ganz beruhigt unterbringen. Auf sämtliche Bedürfnisse wird eingegangen und alle vier Wochen Treffen sich die Angehörigen, um Aktuelles zu besprechen.

Birgitt ist die gute Seele der WG. Mit ihrem Engagement zeigt sie, wieviel sich erreichen lässt, wenn man Dinge nicht einfach hinnimmt, sondern tatkräftig zupackt. Sie macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt – und das zum Vorteil anderer.